New York Umsonst: Sex and the City Do-it-Yourself

Klar, Ihr könntet auch die Sex and the City Bustour machen. Aber die klingt schrecklich, jeder New Yorker wird Euch hassen und sogar innerhalb der Hierarchie der verachtenswerten Touristen werdet Ihr noch unter den Landpomeranzen, die mitten am Times Square stehen bleiben, um ihren Stadtplan zu lesen, eingeordnet.

Wenn eine SatC-Tour schon sein muss (und sogar ich gebe zu, dass ich wissen wollte, wo Carrie’s Haus steht), dann bitte zur Fuß, wie es sich in New York eben gehört.

West Village New York66 Perry Street, zwischen Bleecker und W 4th: Carries Wohnung

Die Tour beginnt also bei Carries Wohnung, denn schließlich hält die Hauptfigur von Sex and the City dort ihre endlosen, nervigen Monologe und schreibt die Kolumne, um die das ganze Geschehen der Serie kreist. Abgesehen davon, dass sich die Häuser in der Gegend kein Mensch leisten kann (zumindest keine freie Journalistin, die allem Anschein nach ca. 15 Minuten pro Tag arbeitet und den Rest mit shoppen, lunchen und partyhoppen verbringt – die millionenschwere Sarah Jessica Parker hat dagegen tatsächlich ein Haus um die Ecke) ist diese Nische des West Village die perfekte Location. Hier findet man das locker-lässige New York aus dem Bilderbuch, auch wenn in der Serie verschwiegen wird, dass dieser Lebensstil seinen Preis hat.

401 Bleecker Street, Ecke W 11th: Magnolia Bakery

Magnolia Bakery New YorkDie Magnolia Bakery ist seit Sex and the City kein Geheimtipp mehr (und war es auch davor für New Yorker nicht), aber wer nichts dagegen hat, sich in eine Schlange zu stellen, die gerne Mal um den Block geht, wird mit wirklich leckeren Cupcakes, Muffins, Brownies und anderen Leckereien belohnt. Direkt gegenüber kann man einer anderen SatC-Beschäftigung nachgehen: shoppen im Marc Jacobs Store. Der kommt zwar gar nicht in der Serie vor, aber tolle Klamotten gibt’s dort allemal.

6th Avenue, Ecke 10th St.: Jefferson Market Library, Mirandas Hochzeitslocation

Die Bücherei ist nicht nur deshalb interessant, weil sich Miranda und Steve hier, im Garten vor dem Gebäude, in Sex and the City das Jawort gegeben haben; der Ort hat auch für sich genommen eine interessante Geschichte. Früher war hier ein Marktplatz und ein Frauengefängnis. Das Gebäude, das heute die Bücherei beherbergt, wurde ursprünglich als Gericht erbaut. Im Garten kann man eine kleine Auszeit nehmen und davon träumen, dass man selbst auch mal so eine hübsche Hochzeitslocation findet.

403 West 13th Street: Samanthas Wohnung

Geht man vom West Village weiter nördlich, betritt man Samanthas Revier, den Meatpacking District. Zumindest ab der dritten Staffel, wo Samantha in den hippen Stadtteil zog, der aber inzwischen etabliert, aufgeräumt und aufgehübscht wurde. Den Transenstrich, der in der Serie gezeigt wird, sucht man heute vergeblich – statt dessen wurde in dem Gebäude ein schickes neues Restaurant, das „Spice Market“ eröffnet, das im Sex and the City Film zu sehen ist.

9th Avenue, Ecke 13th Street: Pastis

In Sex and the City wird hier gebruncht und hardcore-peoplewatching betrieben. Das kann man in echt auch, aber es gibt in New York wahrlich bessere faux französische Bistros, vor allem bei den Preisen.

29-35 9th Avenue: Soho House

Das Soho House liegt nicht, wie der Name vermuten lässt, in SoHo, sondern im Meatpacking District und war mal einer der exklusivsten Hipster-Clubs der Stadt. Weswegen Samantha sich auch in einer Folge von Sex and the City eine Mitgliedskarte erschleicht, um für kurze Zeit mit ihren Freundinnen die exklusive Pool-Luft auf der Dachterrasse schnuppern zu dürfen. Heute kommt man als dahergelaufener Normalbürger immer noch nicht rein, aber von der gegenüberliegenden Dachterasse des Gansevoort kann man einen Blick auf das Dach werfen.

174 Grand Street: Onieal’s Grand Street

Diese schöne Bar in SoHo heisst in der Serie Scout und gehört Mirandas und Carries Exfreunden (zu der Zeit) Steve und Aidan. Die Location wurde offensichtlich nur für ein plattes Wortspiel in die Mulberry Street verlegt, ist aber aufgrund ihres aufwändigen Interieurs sofort wiedererkennbar. In der Serie heisst es, dass Aidan, der Tischler, die Innengestaltung mit eigenen Händen gemacht hat.

302 Bowery: Patricia Field Boutique

Patricia Field ist die Stylistin von Sex and the City und ihr Laden kommt natürlich weder in der Serie noch im Film vor, aber da ihr ganz besonderer, ausgefallener Modegeschmack die Ästhetik der Sendung so geprägt und definitiv entscheidend zu ihrem Erfolg beigetragen hat, lohnt sich ein Besuch allemal. Vor allem, wenn man feststellt, dass die Klamotten hier, im Gegensatz zu allem anderen, was in SatC gezeigt wurde, erschwinglich sind.

42nd Street, Ecke 6th Avenue: Bryant Park

Es gibt genügend andere gute Gründe, den Bryant Park zu besuchen (zum Beispiel, weil es dort kostenloses Wlan gibt, weil man auf der Wiese toll Mittagspause machen kann, weil dort im Sommer kostenlose Veranstaltungen stattfinden), aber der Park war auch Schauplatz einiger ziemlich wichtiger Szenen in Sex and the City. Im Film findet dort, wie in echt, die New York Fashion Week statt (auch wenn die Zelte in diesem Fall extra für den Film aufgestellt wurden), in der wunderschönen Public Library geht die geplante Hochzeit von Carrie und Mr. Big in die Hose und in der Serie kommt der Park auch öfters vor.

256 West 52nd Street: Russian Samovar

Hier hat Carrie ein ganz besonderes erstes Date mit „dem Russen“ Aleksandr Petrovsky, wo er sie mit viel russischem Essen und Wodka verführt. Russian Samovar ist nicht nur eine tolle Bar mit leckeren Drinks und angenehmer Atmosphäre, sie gehört auch dem ehemaligen Tänzer Mikhail Baryshnikov, der in der Serie Aleksandr Petrovsky spielt und somit Schleichwerbung für seinen eigenen Laden macht.

930 Park Avenue: Charlottes Wohnung

Die Upper East Side ist so gar nicht die Welt von Carrie und Samantha, aber Park Avenue Prinzessin Chalotte träumt von Anfang an von der großen Wohnung in bester Lage. Die bekommt sie nicht nur durch die erste Ehe, sie darf sie auch nach der Scheidung behalten und mit ihrem zweiten Mann dort glücklich werden. Im Film verbringt Carrie die Nacht vor ihrer Hochzeit dort.

593 Park Avenue: Central Presbyterian Church

Wo wir schon an der Upper East Side sind: Die Kirche, wo Carrie Mr. Big beobachtet, als er mit seiner Mutter den Sonntagsgottesdienst besucht (was zu ihrer ersten Trennung führt) ist bestimmt auch eine tolle Location für Upper East Side peoplewatching, falls ihr mal eine „echte“ Charlotte sehen wollt.

299 DeKalb Avenue, zwischen Waverly und Washington: Mirandas Haus

Als Miranda am Ende der Serie nach Brooklyn zieht, tut sie so, als würde sie zu ihrer eigenen Beerdigung gehen. In Wirklichkeit war sie nur ihrer Zeit ein wenig voraus, denn heute wollen alle raus aus Manhattan und ziehen nach Brooklyn. Clinton Hill, wo die Szenen für den Film gedreht wurden, ist ein schöner Stadtteil und hat so gar nichts mit dem uncoolen Brooklyn am Arsch der Welt zu tun, das in der Serie noch präsentiert wurde.

Mittwochs könnt Ihr die Tour bei der Sex and the City Night in der Katwalk-Bar im Fashion District (klingt schick, ist es aber nicht) ausklingen lassen. Da kann man wie Carrie und die anderen Mädels (nicht wirklich, denn die hätten nie eine nach einer Fernsehserie benannte Veranstaltung im Fashion District besucht) Drinks schlürfen, die „Carrie Cosmos“ und „Mr. Big Shots“ heißen und sich auf der Leinwand Sex and the City anschauen. Oder man könnte die echten Restaurants, Bars und Clubs aus der Serie aufsuchen und sich dort stilecht einen Cosmopolitan genehmigen…

    2 thoughts on “New York Umsonst: Sex and the City Do-it-Yourself

    • 15. Januar 2015 um 21:46
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      Von jemandem der SATC offenbar furchtbar findet Tipps anzunehmen für eine SATC-Tour?! – Das wäre wirklich dämlich. I’m amused!

    • 24. August 2015 um 09:05
      Permalink

      Absolut nicht – ich bin und war Fan und verteidige die Serie bis heute, wenn sie als hirnloses Bewegtbild-Modemagazin dargestellt wird. Leider haben einige der späteren Folgen und vor allem die komplett hirnlosen Filme Vieles überschattet, was anfangs an SatC herausragend, schlau und mutig war.

      Was ich furchtbar finde:
      1. der dämliche Hype, der seltenst über „women be shoppin'“-Klischees hinaus geht.
      2. Carrie. Die war schon immer nervig.

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